Bd. 2: Das unausgeglichene menschliche Individuum [Abhandlung über die menschliche Verfassung]; Wie man bei Waterloo gewinnt [Die Stille, das Schweigen und die Sprache, das Wort]

 

Die Deutsche Bibliothek – CIP-Einheitsaufnahme

 

Sciacca, Michele Federico:

 

Ausgewählte Werke in deutscher Übersetzung / Michele Federico Sciacca. – Biel/ Bienne:

 

Schweizerischer Wissenschafts- und Universitätsverlag

 

NE: Hebeisen, Michael Walter [Hrsg.]: Sciacca, Michele Federico: [Sammlung]

 

Bd. 2,1: Das unausgeglichene menschliche Individuum – Abhandlung über die menschliche Verfassung; Wie man bei Waterloo gewinnt – [Die Stille, das Schweigen und die Sprache, die Worte]/

 

aus dem Italienischen übersetzt und
hrsg. von Michael Walter Hebeisen. – 2020

 

ISBN 978-3-7526-7303-6 (Teilband 1)

 

ISBN 978-3-7526-7308-1 (Teilband 2)

 

 

 

Titel der Originalausgaben:

 

L’uomo, questo „squilibrato“ – Saggio sulla condizione umana, in: Opere com­plete di Michele F. Sciacca, Bd. 4, Milano: Carlo Marzorati, 1973;

 

Come si vince a Waterloo, in: Opere complete di Michele F. Sciacca, Bd. 2, Milano: Carlo Marzorati, 1957.

 

Das unausgeglichene menschliche Individuum; Wie man bei Waterloo gewinnt (Teilband 1)
Titelei, Inhaltsverzeichnis, Vorwort
Saggio sulla condizione umana, Waterloo
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Das unausgeglichene menschliche Individuum; Wie man bei Waterloo gewinnt (Teilband 2)
Titelei, Inhaltsverzeichnis, Vorwort
Saggio sulla condizione umana, Waterloo
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"Das existierende Sein ist gleichzeitig Essenz und Existenz. Nur im Absoluten (Gott) fallen Essenz und Existenz zusammen. Sciacca macht auf die Zweideutigkeit der Gleichsetzung von Essenz und Existenz für das endliche Sein aufmerksam: es kann seine Vergötterung oder seine Vernichtung bedeuten. Wenn man vom Menschen behauptet, dass seine Essenz, sein Wesen gleich seiner Existenz, seinem Dasein ist, so heisst dies, die Essenz auf die Existenz, das Wesen auf das Dasein zurückzufüh-ren und heisst deswegen die Essenz zu leugnen und mit ihr die Existenz zu leugnen und letztere somit auf das Nichts zu reduzieren. Der moderne Idealismus hat den Menschen für absolut erklärt und damit vergöttert, der moderne Existenzialismus hat diesen Mythus widerlegt, um aber gleichzeitig das Sein des Menschen in Nichts aufgehen zu lassen. Für diesen Existenzialismus ist der Mensch ein unbekanntes X, eine Unbekannte, die der Zufall auf die Tafel der Zeit geschrieben und in der Zeit zum Absurden des Lebens verdammt hat, auf dass sie dann vom Schwamm des Todes ebenso sinnlos wieder von der Tafel abgewaschen werde."

"Das Ich ist in seiner Existenz eine lebende und konkrete Einheit, eine einzelne, inkarnierte geistige Wesenheit; seine Existenz ist 'In-Sistenz' in ihrem Sein. Mit einer blossen existentiellen Beschreibung dringt man noch nicht zur Wesenhaftigkeit des Existierenden vor. Die Beschreibung erfasst nur das phänomenal Gegebene, nicht aber das Wesen, ist empirische Psychologie, nicht Philosophie. Dem Menschen ist in seinem endlichen Sein das unendliche Sein als Idee gegeben und er kann nicht umhin, das Verlangen seines ganzen Seins nach dem Absoluten Sein nicht zu spüren, weshalb dieses Verlangen ein ontologisches ist. Im Menschen ist nicht das ganze Sein; der Mensch ist in Erwartung von Sein. Wer sich darauf beschränkt, sich zu beschreiben, sagt nichts über sein Sein aus, er verbirgt sich in seiner Phänome-nalität und wohnt nur als Zuschauer dem Schauspiel seines Ichs bei. Das wahre Gespräch über Existierende kann nur ontologisch geführt werden. Wer wirklich sein Sein ausdrückt, steht mit seinem ganzen Sein mitten in diesem Gespräch und liebt sein Sein und existiert in seinem Leben und ist nicht mehr blosser Zuschauer gegenüber dem Schein seines Existierenden. Der existierende Mensch ist dazu aufgerufen, in sein Existieren sein ganzes Sein zu legen und jeden Akt und jeden Augenblick seiner Existenz zu verwesentlichen. In seinem sich selbst gegenwärtigen Sein nimmt sich das Ich nicht als das Sein, sondern als ein Sein wahr. Hält jedoch das Ich sein Sein für das Sein schlechthin, so verliert es durch diese Selbstverabsolu-tierung den authentischen Sinn seines Seins und verdunkelt sich selbst hierdurch das Problem seiner Herkunft und seiner Sinnbestimmung."

Ivo Höllhuber: M. F. Sciacca, ein Wegweiser abendländischen Geistes