Bd. 7,1: Entstehung und Entwicklung der modernen Philosophie in Italien - Einführung; Die Platoniker (erscheint im Februar 2016)

Titelei, Inhaltsverzeichnis, Vorwort
Platonici - Titel, Vorwort.pdf
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Gentile, Giovanni:

 

Ausgewählte Werke in deutscher Übersetzung / Giovanni Gentile. – Biel/Bienne:

 

Schweizerischer Wissenschafts- und Universitätsverlag

 

NE: Hebeisen, Michael Walter [Hrsg.]: Gentile, Giovanni: [Sammlung]

 

Bd. 7,1: Entstehung und Entwicklung der modernen Philosophie in Italien – Einführung; Die Platoniker /

 

aus dem Italienischen übersetzt und
hrsg. von Michael Walter Hebeisen. – 2016

 

ISBN 978-3-7392-2670-5

 

Titel der Originalausgabe:

Origini della filosofia contemporanea in Italia – I platonici, in: Opere complete di Giovanni Gentile, Bd. XXXI. Sansoni, Firenze 1957.

 

"Es könnte den Anschein haben, dass die Argumentation unserer kritischen geistesgeschichtlichen Untersuchung der philosophischen Autoren an manchen Stellen eine gewisse Polemik und eine persönliche Ergriffenheit zu erkennen gibt, die man für eine unbeteiligte Darstellung als unan-gebracht und für das geistesgeschichtliche Verständnis als unvorteilhaft halten möchte."

"All das hat aber seinen tieferen Grund und findet seine Begründung im Grundcharakter unseres Geschichtswerks, das die geschichtliche Vergangenheit der italienischen Philosophie nicht sosehr im Rückblick auf und ihre Denker und Vordenker zur Darstellung zu bringen gedenkt, sondern es vielmehr darauf abgesehen hat, die Entstehung und Entwicklung der italienischen Denkkultur nachzuzeichnen, wie sie zu Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts ihre charakteristischen Merk-male ausgeprägt hat und zu erkennen gibt; es sind dies typische Kennzeichen, welche die inneren Verbindungslinien mit der zeitgenössischen Philosophie in anderen europäischen Ländern zwar nicht unterbinden, die aber doch das italienische Geistesleben mit der italischen Überlieferungstra-dition in ein bestimmtes Verhältnis setzen, die erst auf dem Weg über die politische Einigung Italiens zu einem vertiefteren Selbstbewusstsein gelangen konnten. Die Bedeutung, die manchen philosophischen Autoren und geistesgeschichtlichen Strömungen einzig und allein unter diesem Gesichtspunkt zukommt, mag erklären, warum wir sie mit einer gewissen Ausführlichkeit behan-delt haben, während es unsere Darstellung dem künftigen Geschichtsschreiber auf dem Gebiet der Philosophie und Geistesgeschichte ein gedrängteres, knapperes und konziseres Vorgehen erlauben wird. Was schliesslich die polemische Auseinandersetzung angeht, die im Verlauf unserer Studien da und dort aufblitzen mag, so geht sie aus einem Grundbedürfnis der heutigen, modernen Philo-sophie hervor, ihre eigenen Standpunkt dadurch auszuzeichnen und nachvollziehbar zu machen, dass sie sich auf die ihr vorausgehenden Sichtweisen bezieht, worin denn in Tat und Wahrheit ihre eigenen Wurzeln und Quellen gelegen sind."

"Wir bezweifeln denn auch garnicht, dass unsere Auswahl der Gegenstände und unsere Verfah-rensweise bei ihrer Betrachtung und kritischen Beurteilung anders ausfallen könnten, wenn sich andere Interpreten der zeitgenössischen Philosophie der geistes- und philosophiegeschichtlichen Thematik annehmen würden, beschränken uns an dieser Stelle aber darauf, einen einzigen Ein-wand zu bedenken zu geben. Und zwar hat das dringend empfundene Bedürfnis, einen kritischen Blick auf die jüngere Geistes- und Philosophiegeschichte zu werfen, eine tiefere Bedeutung und einen tieferen Sinn, da es von einem Geschichtsverständnis und von einer kritischen Urteilskraft zeugt, und geistesgeschichtlich gleichsam experimentell erprobte Beweggründe unter Beweis stellt, die sich auf eine konzeptuelle Begrifflichkeit, auf eine theoretische Begriffsbildung beziehen, die als Grundlage für unsere Rekonstruktion der der jüngeren Geistes- und Philosophiegeschichte dient, wie auch immer diese ausfällt. Und so ist es denn offenkundig nicht gleichbedeutend, ob man dafür hält, dass alle Historiker ihre je eigenen Geschichten der Philosophie schreiben, oder ob man behauptet, dass all ihre Philosophiegeschichten einander ebenbürtig ausfallen."


Giovanni Gentile